Die Schöne Galerie: Weit mehr als ein Schaffensraum für junge Kunst

Die beiden Gründer der Galerie bleiben lieber im Hintergrund. Vor fünf Jahren erfüllten sie sich aus eigenen Mitteln den Wunsch, junger Kunst einen uneingeschränkten Raum zu geben, in dem gearbeitet, ausgestellt und experimentiert werden darf.

Man muss ein Mal um die Ottakringer Brauerei herumgehen, um in die Kuffnergasse 7, in der sich „Die Schöne“ Galerie versteckt, zu gelangen. Zunächst deutet nichts darauf hin, dass hier moderne Kunst gefördert und ausgestellt wird. Doch hinter den Kulissen der urbanen Hinterhofatmosphäre finden nahezu wöchentlich Ausstellungen statt und 5 Ateliers sowie ein Verkaufsraum für Werke junger Kunstschaffender haben hier ihre Heimstätte.

Florian Appelt führt durch die Räumlichkeiten und verrät, warum die Schöne Galerie underground im wahrsten Sinne des Wortes ist.
Video: Ottakringer Flaneur

Es ist meistens am Donnerstag, an dem die Türen zum oberen Saal geöffnet werden. Am frühen Abend finden hier die Vernissagen statt, zu denen mehrere junge Kunstschaffende eingeladen werden. „Die Ausstellenden kommen zum größten Teil direkt von der Akademie. Entweder sie schließen ihre Ausbildung gerade ab oder beschreiten ihre ersten Schritte als freischaffende Künstlerinnen und Künstler.“, so Florian Appelt, Kurator der „Schönen Galerie“.

Vernissage im Rahmen der Foto Wien im März 2019. Bild: Ottakringer Flaneur

Die Ausstellungen können noch in den beiden Folgetagen besucht werden. Willkommen ist jeder, der sich für Kunst interessiert. Es geht in dieser Galerie nicht um den Verkauf von Kunst, sondern um Kunstvermittlung. Ein Ansatz, der das Schaffen von künstlerischen Werken unterstützen soll.

Am Sonntag wird die Ausstellung abgebaut und Platz für die nächsten Künstler gemacht. „Dieser Turnus findet jede Woche statt, sodass viel Unterschiedliches gezeigt werden kann. Mittlerweile haben wir 35 Positionen in unserem Repertoire, das für 2019 schon komplett besetzt ist.“, so Appelt. So war es aber nicht von Beginn an.

Die Originalwerke werden im Lager archiviert und können vor Ort eingesehen werden. Bild: Ottakringer Flaneur

Kunstmäzene im Hintergrund

Die beiden Gründer der Galerie bleiben im Hintergrund und handeln aus Überzeugung. Sie haben ihre eigenen Unternehmen und betreiben die Galerie nicht persönlich. Dafür reicht die Zeit nicht. Es war ihnen aber ein Anliegen, Raum für Kunstvermittlung zu schaffen, weshalb sie den Hinterhof anmieteten und monetäre Unterstützung für das Kuratieren und den allgemeinen Betrieb der Galerie sicherten.

Ausgestellt wird vor allem junge Kunst, was nicht bedeutet, dass es nicht auch Werke von etablierteren Künstlern zu sehen gibt. Die Räumlichkeiten hinter dem großen Hauptsaal fungieren als Ateliers für fünf Kunstschaffende, die hier stationär arbeiten, wie die Wiener Künstlerin Sylvia Kummer, die in den Räumlichkeiten interdisziplinäre Projekte zwischen Kunst und Anthropologie verwirklichen kann. Ein weiteres Atelier wird von dem Graffiti- und Streetart Künstler RUIN belegt, dessen großflächige Wandmalereien weltweit Beachtung finden.

„Vielleicht kann man das Prinzip der Galerie mit dem Kunstmäzenat vergleichen. Hier kann produziert, ausgestellt und ausprobiert werden.“

FLORIAN APPELT, KURATOR DER SCHÖNEN GALERIE

Anfangs fanden Ausstellungen sehr sporadisch statt. Zwischendurch wurden die Räumlichkeiten als Lager genutzt, bis sich vor einigen Jahren ein Team formierte, das den Betrieb der Galerie sichert und für regelmäßige Abläufe sorgt. „Vor drei Jahren kam ich dazu und kurze Zeit später Sonja Gansberger. Wir kümmern uns hauptsächlich um die Organisation und die Kommunikation der Galerie aber auch um den Betrieb der Online-Verkaufsplattform „Kunst ab Hinterhof“.“

Sonja Gansberger und Florian Appelt bilden das Kernteam der Schönen Galerie und des Projekts “Kunst Ab Hinterhof”. Bild: zvg Die Schöne

„Dass wir durch private Gelder unterstützt werden, gibt uns sehr viele Freiheiten. Vielleicht kann man das Prinzip der Galerie mit dem Kunstmäzenat vergleichen. Hier kann produziert, ausgestellt und ausprobiert werden. Auch Dinge, die vielleicht noch nicht ganz fertig sind, haben hier Platz. Wir bekommen nichts vorgeschrieben und müssen niemandem Rechenschaft ablegen.“, so Florian Appelt.

Die notwendige Konsequenz der Galerie, die über die Jahre eine Sammlung von 250 Werken aufgebaut hat, war es, den Ausstellenden die Möglichkeit zu geben, ihre Kunst zu verkaufen. So entstand die Online-Plattform „Kunst ab Hinterhof“, wo man eine Auswahl an ca. 500 Werken von 60 unterschiedlichen KünstlerInnen vorfindet.

Anfang 2019 startete die Plattform “Kunst Ab Hinterhof”, auf der man online Werke junger Kunst kaufen kann. Hier werden die Kunstwerke verpackt und später an die Käufer versendet. Bild: Ottakringer Flaneur

Die Werke, die auf die Plattform kommen, werden vorab ausgewählt, im Anschluss abgelichtet, mit einem Preis versehen und Online gestellt. „Die Möglichkeit, sich die Bilder in guter Qualität online anschauen zu können und gleich zu wissen, wie viel sie kosten, ist für die Käufer eine neue Erfahrung. Viele trauen sich nämlich nicht, in Galerien oder auf anderen Plattformen nach dem Preis zu fragen, weil sie glauben, dass Kunst immer teuer sein muss.

Transparenz und bessere Konditionen für Kunstschaffende

Das machen wir anders und arbeiten transparent. So bieten wir auch den Künstlern eine für Galerien unübliche Kondition von 30/70. Was zum einen bedeutet, dass die Künstler 70 Prozent anstatt 50 Prozent vom Preis der Bilder erhalten und zum anderen der Preis für die Kunst günstiger angesetzt werden kann.

Das Prinzip bricht den klassischen Galeriebetrieb, wobei „Kunst ab Hinterhof“ sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu anderen Galerien sieht.

Website-Links:

Die Schöne Galerie

Kunst Ab Hinterhof

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