High Energy, Low Volume

The Fleshtones spielen am 2.6.2019 im Chelsea

The Fleshtones haben sich 1976 formiert. Nach 22 Alben und unzähligen Singles stehen sie am 2. Juni auf der Bühne des Chelsea am Lerchenfelder Gürtel. Die neue 45 Single ”
Layin’ Pipe b/w Lady Nightshade “, erschienen auf Yep Roc Records, wird es beim Konzert zu kaufen geben. Bild: Zig Criscuolo/ZIGPIX

Die Bühne ist für die aus dem New Yorker Stadtteil Queens stammende Band ein Ort, an dem man Verstärker abstellt und den Schlagzeuger vergisst. Der Rest der Band hat Sender an den Instrumenten und verneint das Prinzip Bühne, man spielt lieber auf dem Tresen im Publikum oder, wenn es die Begebenheiten zulassen, auf der Straße vor dem Club. Von Oben herab ist hier nichts, Musik auf Augenhöhe mit dem Publikum. Ein Statement, wenn man angewidert vom autoritären Gebaren dieser Tage ist. Beim letzten Konzert im Ottakringer Bach, am Tag der Wahl in Amerika, fanden sich lediglich 40 Leute ein, die mit einem breiten Grinsen den Club verließen. Ein paar Stunden später wurde Trump gewählt und betrat – um im Bild zu bleiben – die große Bühne.

Die Band verlässt während ihrer Auftritte gerne einmal die Bühne und spielt inmitten des Publikums, auf der Bar oder auch auf der Straße vor dem Club.

Bubblegum-Pop aus der CBGB’s-Sonderschule

Unrichtig ist, dass die seit 1976 existierende Band um den Sänger Peter Zaremba Garagenrock spielt, wie üblicherweise kolportiert wird. Wenn man die Ramones nicht als Punkband begreift, sondern in der Poptradition der Shangri-Las, Phil Spector’s oder der kalifornischen Surfmusik sieht, dann kommt man auch dem Phänomen der Fleshtones näher; Bubblegum-Pop aus der CBGB’s-Sonderschule.

Das heilige Prinzip guter Bands: „high energy – low volume“, haben The Fleshtones verinnerlicht. Gniedelgitarren, Verstärkertürme, breitbeiniges Gepose, Fehlanzeige. Es ist der bedingungslose Wille eine Show abzuliefern: mit 4 Akkorden und der Gewissheit, dass Rock’n’Roll Tanzmusik ist.

Wer weiß, vielleicht findet sich das Publikum am 2. Juni auf dem Lerchenfelder-Gürtel wieder und rennt drei in Würde gealterten Herren mit Sendern an den Instrumenten hinterher, während das Gedonner der U6 und die Kavaliersstart-Heizer von der Ottakringer Straße, die amerikanischste Musik seit Chuck Berry übertönt.

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